«Der Kunde ist König» — eine dieser Floskeln, die so lange wiederholt wurde, bis sie wie ein Gesetz klingt. Doch wer König ist, sitzt nicht auf Augenhöhe. Er ist umgeben von Untertanen, Dienern, Jasagern. Und was als Ausdruck von Respekt gedacht war, ist in Wahrheit oft das Gegenteil: eine Entmenschlichung des Gegenübers.
Anbiederung ist keine Form der Wertschätzung, sondern eine Form der Entwürdigung. Wer alles nur bejaht, ernsthafte Kritik verschweigt und jedes Ansinnen unhinterfragt erfüllt, macht den anderen kleiner, nicht grösser. Denn ernst genommen wird ein Mensch erst dann, wenn man ihm widerspricht, wenn man seine Anliegen prüft, wenn man im Dialog bleibt statt in Unterwerfung.
In der Geschäftswelt zeigt sich das Absurde dieses «Kundenkults» täglich: Projekte, die scheitern, weil niemand wagte, dem Kunden zu sagen, dass seine Idee nicht trägt. Kampagnen, die banal bleiben, weil niemand das ausgefallene Konzept verteidigt hat. Marken, die im Mittelmass verschwinden, weil niemand den Mut hatte, zu widersprechen.
Echte Wertschätzung sieht anders aus. Sie bedeutet, das Gegenüber als Partner zu behandeln: mit Respekt, aber auch mit Aufrichtigkeit. Nicht Könige und Knechte brauchen wir, sondern Gesprächspartner, die wissen, dass Augenhöhe kein Luxus, sondern die Voraussetzung für gemeinsame Stärke ist.
Der Irrwitz liegt nicht darin, dass Kunden sich wie Könige benehmen, sondern dass Unternehmen sie dorthin erheben. Wer ernsthafte Partnerschaft will, darf diesen Thron gar nicht erst aufstellen — und sollte stattdessen besser den Tisch decken.